Lass uns doch

 

Lass uns springen laufen hüpfen,

nochmal ins Kleid der Jugend schlüpfen

Lass das Feuer uns entfachen

zu einem ganz befreiten Lachen

 

Lass uns doch das Leben spüren

das wir jetzt noch mit uns führen

Lass uns rasch den Zorn entsorgen

und die Furchtsamkeit vor Morgen.

 

Lass uns mit dem Jetzt beschenken

auf die Gegenwart beschränken

Lass, wenn wir am Alter kranken

dies trotzdem tun, dann in Gedanken

 

Lass uns über allem schweben,

uns über Zank und Streit erheben

solang noch nicht das letzte Blatt

das Lebensbuch geschlossen hat.

 

Lass uns den Gefühlen lauschen

uns am Sonnenschein berauschen

und wenn wir ihre Wärme nützen

kann Alter nicht vor Freude schützen.

 

 

 

***

 

 

Heilende Kamille

 

Da ist ein Feld, das imponiert,

darin mein Blick sich ganz verliert,

und Blumen streicheln meine Seele.

Mit einer Frage ich mich quäle:

Heilt das Unheil dieser Welt

die Kamille dort im Feld ?


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verlorene Spuren

 

Sie sucht nach Spuren dort im Glas des Spiegels,

die gegenseitig sich den Lauf verwischt.

Im Kreuz und Quer und im Verlust des Siegels

erleichtert er ihr das Erkennen nicht.

 

Verloren sich im Laufe ihrer Strecke

nun die Stationen ohne Wiederkehr?

Verhüllt der Nebel sie mit seiner Decke?

Nur eine Spur noch, die wünscht sie sich sehr.

 

Oft meint sie, Kinderzeiten noch zu spüren.

Ihr ist, als wäre es ihr leicht um's Herz.

Will ihr Gefühl den Geist denn irreführen?

Und flehend geht ihr Blick nun spiegelwärts

 

Doch plötzlich hat sie, was sie sucht entdeckt,

und sieht dort im verblassten Blau der Augen,

die Seele hält die Kindheit dort versteckt.

 

Sie weiß, sie ging ihr niemals ganz verloren.

Für immer hält sie diese Spur nun fest,

Von nun an fühlt sie sich wie neu geboren.

 

 

Was man will...

 

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Jammersachen

 

Tief in der letzten Seelenecke

schläft meine Abstellkammer

Oft lüfte ich darauf die Decke

und miste aus den Jammer.

 

Mein Besen ist die Tastatur

und Openoffice writer

Dann dichte ich in einer Tour

Ich bin ein Aufbereiter.

 

Was mir zu eng ist, mich erdrückt,

ich stecke es in Poesie

Ob es noch jemanden entzückt?

Ach ja vielleicht, man weiß ja nie.

 

Ich biete an mein Sauerbier

Kann jemand das noch brauchen?

Es muss jetzt alles fort von mir.

So wird die Last verrauchen.

 

Seht her, so schön ist second hand!

Man liebt doch Nostalgie!

Es kommt drauf an, dass man erkennt,

an Emotion fehlt's nie.

 

Lässt sich daraus noch etwas machen?

Ich will nun darauf lauern,

versorgen euch die Jammersachen,

noch ab und zu mit Schauern?

 

Ich sitze hier vor meinem Hut

schau treu die Leser an:

Findet ihr es nicht mehr gut,

muss doch der Schredder ran?

 

 

***

 

 

Vintage

 

Verwaschen die Hosen

zerfranst und verschlissen

auf Retro gestylt

und used angepeilt

Die Bluse mit Rosen

am Saum eingerissen

 

Ihr Outfit ist jung

auf uralt getrimmt

die Möbel, die Kleider

Stil Vintage, doch leider

fehlt ihr jeder Schwung,

denn nichts an ihr stimmt.

 

Sie schwärmt sehr vom Alten

was früher modern

Doch eins mag sie nicht:

Ein Vintage-Gesicht

Dort bügelt sie Falten,

die sieht sie nicht gern.

 

Gepolstert die Wangen

und nirgends zerknittert

die Lippen gespritzt

und akkurat sitzt

die Maske mit Zangen

die langsam verwittert.

 

Wein erlesen und alt

soll Vintage doch heißen

So edel und fein

können Falten auch sein

Natürlichkeit halt

So leicht zu beweisen.

 

 

***

 

 

 

Verselbstständigt

 

Gewollt war Weiß und Licht und hell,

doch lösten sich die Farben schnell

heraus und färbten mit der Zeit

zu grell: zu Blut, zu Hass, zu Neid.

 

Dass sein Aufriss ging verloren,

kam dem Maler nun zu Ohren.

 

Tiefschwarz ward alles, ach und weh.

Wo blieb die Reinheit weiß wie Schnee?

Und nein, es juckt die Menschheit nicht,

dass einst er sprach: „Es werde Licht“

 

 

***

 

Fremdgeschmiedet

 

Wär denn nicht jeder gerne seines Glückes Schmied,

und Regisseur im eig'nen Film des Lebens?

Du komponiertest lieber selbst dein Lebenslied.

Der Traum vom braven Ruder ist vergebens.

 

Nicht nur im Kampf, auch kampflos trifft uns mancher Schwinger

Wir stoßen gegen unsichtbare Baken

Wohl noch ein andrer hat im Boxhandschuh die Finger,

versetzt uns rechte oder linke Haken.

 

Ein Spielchen wärs gar, auch zum Selbsterneuern,

und munter wie ein Vöglein flögen wir umher

Könnte man einflusslos sein Leben steuern.

 

Es stört dem Störenfried als Einziges den Frieden

Humor und Zuversicht als starke Gegenwehr

Solang es heiß ist, werd' ich dieses Eisen schmieden.

 

 

***

 

Wer sind jene...?

 

Wer sind jene, die der nächsten Leben nehmen?

Schuf der Herr sie denn tatsächlich und gewollt?

Müssen wir, "die Guten" uns nicht derer schämen?

Ziehen wir denn in Gedanken nicht den Colt?

 

Wer sind jene, die sich ihrer Taten brüsten,

Siege tragen über Schwache voller Stolz?

Sinnlos ist's doch gegen Gleiche aufzurüsten.

Welche Zahl an Kerben braucht es noch im Holz?

 

Wer sind jene, die sich selbst so hoch erheben?

Es wird wohl sein, dass der Mensch ein Raubtier ist.

Kann man nicht in Frieden miteinander leben?

Bleibt für alle doch nur eine kurze Frist.

 

Einst aus Liebe wohl empfangen und geboren,

unter Schmerzen. - Warum gingen sie verloren?

 

*

 

 

Was man will...

 

Es drückt sich fast die Nase platt

der kleine Fisch am Goldfischglas

und schaut was es da draußen hat

Er denkt sich, ja das wär doch was

 

Ach käm' nur einmal ich heraus

Hier muss ich immer Kreise schwimmen

Das Glas, so rund ist mir ein Graus

Man kann sich gar nicht richtig trimmen

 

Wo ist die Ecke hier zum Schmollen

Da draußen ist die Welt so groß

Darf denn nichts anderes ich wollen

Wie werde ich das Glas nur los.

 

Die Meise denkt auf ihre Weise

wie sich nur bessern ließ ihr Leben

Fühlt sich gebremst in ihrer Reise

Was würde ihr mehr Freiheit geben

 

Es müsste sich ein Weg doch finden

durch diese Scheibe, die da glänzt

das Hindernis zu überwinden

das ihre Flugbahn arg begrenzt

 

Wahrscheinlich jeder hier im Leben

legt auf ein fernes Ziel Gewicht

wird nur nach neuen Dingen streben

denn was er hat, das schätzt er nicht

 

Man drückte an diversen Scheiben

sich immerfort die Nasen platt,

und wird auch nicht zufrieden bleiben,

wenn man dann das Gewünschte hat

 

Am Ende findet man den Goldfisch;

Er hätte Wasser jetzt gebraucht,

Das Glas zerbrochen vor dem Tisch

Nur aus den Scherben er noch haucht

 

Die Meise mit gebrochenem Flügel

nun vor der Fensterscheibe sitzt.

Man sollte doch zufrieden sein,

sich freu'n an dem was man besitzt

 

Drückt sich denn nicht an Deiner Scheibe

von außen auch die Nase platt

so mancher Mensch, der keine Bleibe,

der weniger als Du noch hat?

 

Nun denke ich ganz unumwunden

wenn man nur einmal Glas zerbricht

ist auch sehr oft das Glück verschwunden

Denn nur Zufriedenheit bringt Licht.

 

*

 

Wie groß sind deine Taschen

 

 Sag mir, wie groß sind deine Taschen?

 Was alles steckst du denn noch weg?

 Wann sprudeln über deine Flaschen?

 Ach, fasst dein Flur noch mehr an Dreck?

 

 Wie lang noch brennen deine Lunten?

 Wird es dir denn nie zu viel des Bunten?

 Wie oft stößt noch die Abrissbirne?

Wann endlich bietest du die Stirne?

 

Es stürzt bald ein dein Kartenhaus.

Lässt du den Teufel endlich raus?

Geht oft zum Brunnen noch der Krug?

Wann ist genug denn mal genug?

 

Wie hoch wohl deine Hutschnur ist?

Läuft denn nicht ab die Galgenfrist?

Wird auch zu eng dir mal der Kragen?

Schlägt dir nichts mehr auf den Magen?

 

Reißt dir denn niemals mehr der Faden?

Kann der Geduld denn gar nichts schaden?

Wann sprudeln über deine Flaschen?

Sag mir, wie groß sind deine Taschen?

 

 

***

 

Als hätten sie keine eigenen Nasen

 

Als hätten sie keine eigenen Nasen

an die es sich fassen ließe

 riskieren sie eine dicke Lippe

und verbrennen sich wieder den Mund

 

Als könnten sie sich selbst nicht sehen

auch nicht den Balken im Auge

bieten sie allem die Stirn,

ganz ohne dahinter zu denken

 

Als wären ihre Hände berechtigt.

den ersten Stein zu greifen

um ihn ziellos zu werfen,

im Glauben, wo's trifft ist es richtig.

 

Als könnten sie ihre Füße nicht steuern,

tropft herab das Fett von den Näpfen

die sie selten verfehlen.

Doch lässt sich nichts damit ölen.

 

Als könnten sie ihre Hände noch waschen

 fehlt ihnen die Unschuld als Seife.

Die Ohren sind durchgehend geöffnet.

Es ziehen Gerüchte hinein.

 

Als wären da keine eigenen Türen,

vor denen sie kehren müssten,

halten sich selbst für die Frommen.

Sie werden ihr Fett abbekommen.

 

 

***

 

 

Das Gesetz des Auftriebs

oder: Der sichere Weg zum Ruhm

 

(Zitat Archimedes von Syrakus:

 „Heureka ich hab's gefunden!“)

 

Den Weg zum Ruhm nur Profo-ziert

Man demontiert die feine Sprache,

fäkale Worte man verliert.

Hoch lebe Montezumas Rache!

 

Das kleine Arschloch macht uns Beine

und Fuck you Goethe eins bis drei.

Und Männer, singt man, sind doch Schweine.

Man gibt dem Hirn Gedankenfrei.

 

Berühmt das Lied: Ich find dich Scheiße.

Dass Geiz ist geil, wird nur gelingen,

nimmt man zum Vorbild, sag ich leise,

den guten Goetz von Berlichingen.

 

Man muss durch Feuchtgebiete schreiten.

Lass Dir nur Zeit, fass Dich nicht kurz,

wenn graue Schatten dich begleiten,

denn abendfüllend ist ein Furz.

 

Du musst auf Profo-Kanten steigen

und pupse keinesfalls diskret!

Im Stadion kannst du sie zeigen,

weil's heutzutag' nicht besser geht.

 

Du bleibst ein kleiner Wurm auf Erden,

So schalte Dein Gehirn doch aus.

Versuch ein bess'rer Mensch zu werden

Such deine Sau und lass sie raus.

 

Heureka Aplaus Aplaus!

 

*

 

 

Im Lebensbaum der Heiterkeit

 

Im Lebensbaum der Heiterkeit

schwingt in gelachten Ästen

von Zweig zu Zweig sich oft ein Clown

und gibt sein Selbst zum Besten.

 

Im Lebensbaum der Heiterkeit

dort zwischen einst und jetzt

hat er schon seit geraumer Zeit

sein buntes Kleid versetzt.

 

Im Lebensbaum der Heiterkeit

sein Glücklichsein erlischt.

Kein Lachen macht sich bei ihm breit.

Die Schminke hat's verwischt.

 

Im Lebensbaum der Heiterkeit

kein letztes Mal mehr lacht,

der mit so mancher Albernheit

den Clown so oft gemacht.

 

Im Lebensbaum der Heiterkeit

hat jener Ast bis jetzt

das nie geschätzte Unterkleid

durch Nichtachtung zerfetzt.

 

Im Lebensbaum der Heiterkeit

er nun sein Selbst beweint

Er hatte doch zu keiner Zeit

den Spaß so ernst gemeint.

 

*

 

Das Ziel

 

Im Startblock die Füße

Im Auge ein Ziel

 Von allem das Süße

So kennt man das Spiel

 

Munter gestartet,

den Schuss nicht erhört.

 Ein Stopp nicht erwartet.

 Kein Prüfen, wen's stört.

 

Stürmisch genommen

 Tiefen und Höh'n.

Nur Höhnen dem Frommen,

 die Sünde zu schön.

 

Verluste gegeben,

 And're geschnitten.

 Vieles im Leben

vom Teufel geritten.

 

Das Ziel ist in Sicht

Ein Drang sich zu setzen

Die Suche nach Licht

und dem Grund so zu hetzen.

 

Wen will man besiegen

um dann zu erreichen,

 auf ewig zu liegen,

im Stein  ???  Fragezeichen !

 

 

***

 

Das Kettenhemd

 

Erdrückt dich nicht dein Kettenhemd,

wie Blei am Fuß der schwere Schuh?

Der Blick ins Leben ist dir fremd,

denn das Visier fällt ständig zu.

 

Fast jeden Angriff hemmt dein Schild.

Die Rüstung wehrt geführten Stich.

Doch sie verhindert nicht das Bild:

 Die Freude fällt stets unter'n Tisch.

 

Du kleidest dich in Sicherheit,

 zeigst deinem Leben keine Haut.

 Das Glück vergeudet keine Zeit.

Nie hast du dich ihm anvertraut.

 

So streife ab die Eisenmaschen,

befreie dich vom schweren Schuh.

Lass dich vom Leben überraschen,

 und ab und zu den Angriff zu.

 

 

Oh, fühle barfuß Deine Strecke,

sticht dich auch ab und zu ein Stein,

 der dein Gespür dafür erwecke,

wie zart der Sand, wie weich und fein.

 

 

***

 

 

Klimawandel

 

Oje, man hört so oft die Klage,

dass unser Klima sich erwärmt

Und immer stellt sich mir die Frage,

warum die ganze Welt so lärmt?

 

Rein garnichts kann ich davon spüren.

Ich finde eher, es ist kalt.

Es muss sich unbedingt was rühren,

denn wir erfrieren sicher bald.

 

Ja unser Klima muss sich wandeln

Es geht um mehr als nur ein Grad,

und deshalb müssen alle handeln,

bevor für uns die Eiszeit naht.

 

Versucht mit Macht ihn auszumerzen,

wenn der Gefrierbrand uns bald droht

Bringt Klimawandel in die Herzen.

Wir sitzen doch in einem Boot.

 

Auf dass so bröckelt die Fassade

von falschem Klima möglichst bald.

Ach ja, es wäre wirklich schade,

blieb's weiterhin da drinnen kalt.

 

 

***

 

 

Mein Gedicht in der Tafel

an Station 7

des Lyrischen Wanderwegs Hörste:

 

Hürden im Kopf

 

Ein Lächeln möchte ich Dir schenken

und von der Stirn die Falten streichen

Dich von Gedanken abzulenken

dass Deine Sorgen endlich weichen

 

Ja, Hoffnung möchte ich Dir machen

Es ist doch garnichts ausweglos

Ich sähe liebend gern Dein Lachen

Durch Grübeln wird Geringes groß

 

Du musst nicht über Hürden steigen

die Du Dir selbst zusammenbaust

Komm, gerne möchte ich Dir zeigen,

dass besser Du auf's Glück vertraust.

 

 ***

 

Die Galerie der Seele

 

Bilder sind es, nicht an Wänden,

steh'n auf keiner Staffelei.

Man entdeckt sie nicht in Bänden.

Die Vernissage beginnt stets neu.

 

Aquarelle nicht mit Wasser,

Tränenfarben sind vermischt.

Finst're Töne werden blasser,

immer wieder aufgefrischt.

 

Ach, du willst sie nicht betrachten,

doch sie drängen sich Dir auf.

Stiche gilt es zu verachten,

Schichten quellen sich zu Hauff.

 

Gar kein Fleck lässt sich vernichten,

Spachteln dient hier keinem Zweck.

Auf's Radieren kannst verzichten,

So bekommst du gar nichts weg.

 

Schließt die Galerie der Seele

bald der Bilderschau Verlauf?

Nein, auf ewig bleibt's Gequäle,

taucht Verdrängtes wieder auf.

 

***

 

Ein Hauch

 

Ein Hauch nur selten, immer unverhofft,

dann weht er leise, zischend kalt wie Eis.

Es zieht ein Sog und ist er auch ganz soft,

kaum spürbar sacht und doch, dass ich es weiß.

 

Und mahnend zeigt ein Finger auf die Zeit,

dann knöchern auf der Schulter dieses Tippen.

Arg fordernd zerrt es mir an meinem Kleid.

Das letzte Wort, es meidet meine Lippen.

 

Wie lästig, drohend dieses harte Drängen.

Gemach, gemach, lass mich doch erst mal machen.

Wollt' sowieso mal raus aus diesen Zwängen,

doch jetzt will ich ein wenig noch vom Lachen.

 

Das letzte Brot wird schon gereicht zum Dippen.

Ein Schluck noch lässt sich in die Länge zieh'n.

Genüsslich zieht's sich gierig an den Kippen.

Der Kalte soll sich erstmal noch verzieh'n.

 

Doch einmal kommt er sicher nicht vergebens.

Ja dann wird auch der Widerstand ganz soft.

Bis dahin freue ich mich noch des Lebens,

nur diesen Hauch zu spüren, möglichst oft.

 

*

 

Die Dornen der Seidenrose

 

Am Anfang war es Freude, dankend angenommen

Falschheit und Argwohn hat sie nie gefühlt.

Doch die Erinnerung daran ist nur verschwommen.

Vernunft und Zeit hat sie längst fortgespült

 

Die Kostbarkeit der Freundschaft, leider nur geheuchelt

Es war Absicht, ganz sicher kein Verseh'n

In Wahrheit wurde ihre Seele hingemeuchelt

Wann kommt die Zeit, dass Schmerz und Wut vergeh'n?

 

Herzlich und zärtlich haben Arme sie umschlossen

mit bunten Blumen hat man sie bedeckt.

Die gleichen Glieder haben sie dann grob verstoßen

und schwarze Blüten ihr ins Haar gesteckt.

 

Nur eine Seidenrose das Vergessen bricht,

weil sie nun ohne Dornen tiefe Wunden sticht.

 

***

 

Wie fortgewischt

 

Ach fände ich doch einen Lappen,

so denk ich hin und her.

Will extra viel dafür berappen.

Wieso ist das so schwer?

 

Ich würde eine Reise buchen

ins Lappland zu den Finnen.

Dort könnte ich wohl lange suchen,

mir was zusammenspinnen.

 

Man findet leider jenen Lappen

im ganzen Norden nicht.

Ach würde es doch einmal klappen.

Kein Lappen ist in Sicht,

 

der wischte spurlos streifenfrei

Erinnerung mir still,

und machte meine Seele frei

von dem und wem ich will.

 

Und der mir das Vergessen gönnte

an was sich eingemischt

einst in mein Leben und es könnte

so sein wie fortgewischt.

 

 

 ***

 

 

Du hast den Vogel abgeschossen

 

Sieh doch, noch liegt der Vogel dir zu Füßen

Dein Blick geht fehl. Du hast es so gewollt.

Warum hast du ihm einst Dein Lob gezollt?

Nie wieder wird er munter dich begrüßen.

 

Du hieltest deine Ohren fest verschlossen.

Sein Lied hat dich schon lang nicht mehr erreicht,

weshalb dich leise Wehmut nun beschleicht.

Oft aber hat dich deine Tat verdrossen.

 

Er hat für dich allein doch nur gesungen

Du hast ihm falsche Töne unterstellt,

So viele Sänger hat's noch auf der Welt

 

Es ist das letzte Lied noch nicht erklungen

und jedes Denken bleibt dem Stolz verschlossen

Du hast den Vogel abgeschossen.

 

 

Geschenkt ist nicht geschenkt

 

Es dachte sich das Huhn beim Ei

am Anfang sicher nichts dabei

Doch als es da so lag im Neste,

sagt ihr das and're Huhn: “Das Beste

 

holst du aus dem Ei heraus,

wenn Du es warmhältst.“

- Ei der Daus -

 

Dankbar folgt das Huhn dem Rat,

setzt um den Vorschlag in die Tat,

Als dann daraus ein Küken schlüpfte,

so wunderbar und auch noch hüpfte,

 

wie war die Henne stolz aufs Tun.

 

Da sagte ihr das and're Huhn,

was mit dem Nachwuchs sei zu tun,

wohl jetzt auch ihre Sache sei

denn ohne sie wär's noch ein Ei.

 

Soll stets berichten beim Gehabe,

wer ihr dabei geholfen habe.

Das Huhn wehrt ab, auf jeden Fall

Da folgt der Rauswurf aus dem Stall.

 

Ab da die Henne und ihr Kind

wohl um ein Stückchen klüger sind

Sie wärmt nun selbst ihr Ei zum Küken

und lässt sich nie mehr unterdrücken.

 

mit gut getarnten Ratgeschenken

Sie wird in Zukunft erst mal denken

ob ein Geschenk wohl selbstlos sei

und nicht vielleicht ein faules Ei.

 


Heimat

Akrostichon

 

Höhle und Zuflucht, ein sicherer Ort

Erdung und Sehnsucht beschreibt hier kein Wort

Innig geliebt, zieht's dich immer zurück

Mehr als ein Ort, ganz tief drinnen dein Glück

Ankunft erleuchtet, willkommen im Hafen.

Tief, fest verankert, hier willst Du einst schlafen.


 

 Abgenabelt ?

 

Kaum sind die Menschen abgenabelt,

da werden sie ganz neu verkabelt

mit Laptop, Smartphone, und Pc

Hast Du mal keines, tut's Dir weh.

 

Der Daumen wird nicht mehr gelutscht,

stattdessen vor'm PC gerutscht.

Und oh,-nimmt jemand ihn Dir weg,

schon ist dein Leben ohne Zweck.

 

Kaum ist entsorgt der letzte Nuggel,

suchst nach Ersatz du schon bei Google.

Fehlt dir die Milch jetzt aus der Flasche,

nimmst du dein Smartphone aus der Tasche.

 

Was ist mit unsrer Welt bloß los ?

Ja, werden Kinder nicht mehr groß ?

Man fällt von einer in die nächste Sucht,

ist vor dem Leben auf der Flucht.

 

Mit Facebook, das ist doch die Masche,

hast Du die Freunde in der Tasche.

Du brauchst dich nicht mehr zu bemüh'n,

musst nicht mal vor die Tür mehr geh'n.

 

Sag doch seit wann, wie lang ist's her,

sahst du wohl keinen Menschen mehr ?

 

*

 

 

Frag nicht

 

Frag nicht, warum die Augen es nicht sehen,

was lang man mit dem Herzen schon geschaut.

Warum sich Nasen nach Gerüchen drehen

und drinnen alles einem Duft schon traut.

 

Frag nicht danach, warum trotz allem Wissen

man das Gefühl auf keinen Fall betrügt.

Und ist im Leben mancher auch gerissen,

oft wird es sein, dass er sich selbst belügt.

 

Sieh doch, dass sich die Augen oft verschließen

vor dem, was man nicht gerne sehen will.

Nur Logik gibt oft keine Lösung preis.

 

Allein Gewissheit soll dich nicht verdrießen.

Vertraue dir da drinnen und schweig still.

Spür nach, was Dein Gefühl schon lange weiß.

 

*

 

Bleiben ?

 

Ja, machen wir uns nicht Gedanken

wie's werden wird dort hinter Schranken ?

Wir oft in der Entscheidung wanken,

viel lieber früher abzudanken,

weil drüben schön're Blumen ranken.

 

Es fiel uns der Entschluss nicht schwer,

wenn wir nur wüßten wie's dort wär.

Das schnöde Dasein gäb man her

und äße rasch den Teller leer.

Dass man nichts weiß, find ich nicht fair.

 

Ach, wüssten wir wohin's uns drückt

im Tode später, wär's verrückt

Wär manchem schon die Flucht geglückt,

hätt' früher schon sein Sein gezückt,

sich nach dem Bleiben nicht gebückt.