Lasst uns doch

 

Lasst uns springen, laufen, hüpfen,

noch mal ins Kleid der Jugend schlüpfen.

Lasst das Feuer uns entfachen,

zu einem ganz befreiten Lachen.

 

Lasst uns doch das Leben spüren,

das wir jetzt noch mit uns führen.

Lasst uns rasch den Zorn entsorgen

und die Furchtsamkeit vor morgen.

 

Lasst uns mit dem Jetzt beschenken

und auf die Gegenwart beschränken.

Lasst uns, wenn wir am Alter kranken,

dies trotzdem tun, dann in Gedanken.

 

Lasst uns über allem schweben,

uns über Zank und Streit erheben,

solang noch nicht das letzte Blatt

das Lebensbuch geschlossen hat.

 

Lasst uns den Gefühlen lauschen,

uns am Sonnenschein berauschen

und wenn wir seine Wärme nützen,

kann Alter nicht vor Freude schützen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für die graphische Gestaltung meines Gedichts

und die Freigabe für meine Homepage

bedanke ich mich herzlich bei Sabine Brauer.

 

 

Das letzte Blatt am Baum

 

Das letzte Blatt will sich nicht lösen,

hat jede Mahnung überhört.

Es stellt sich so, als tät es dösen.

Das hat den Baum schon oft gestört.

 

Nun wird er langsam ungeduldig,

dass es zum Geh'n noch nicht bereit.

Er brummt den Zweig an: „Du bist schuldig!“

Der meint, es brauche halt noch Zeit.

 

Einst glänzte es in grünen Farben.

Nun zog der Saft aus seinen Adern.

Soll's für den Rest der Zeit nun darben?

Will schon mit seinem Schicksal hadern.

 

Das Blatt hält sich am Zweiglein fest

und baut nur noch auf Kohäsion.

Es hofft, dass man es jetzt noch lässt,

doch plagen es die Zweifel schon.

 

Die Anhangskraft ging schon verloren.

Es ruft:„Es ist noch nicht soweit!“

Doch bleibt es auch nicht ungeschoren,

und seinen Brüdern tut's nicht leid!

 

Hat sich um sie auch nicht bemüht,

sah sie doch nacheinander gehen.

Jetzt, da sein Leben auch verblüht,

hat's mit Bedauern das gesehen.

 

Ist es für alles jetzt zu spät?

Der Zweig lässt los, ermahnt vom Baum,

ruft noch, dass es nicht anders geht.

Erwacht es endlich:„Aus der Traum!“

 

Im Traum, so schön von alten Zeiten,

kehrt in den Frühling es zurück,

sieht über sich die Wölkchen gleiten.

Ist nun vorbei das ganze Glück?

 

Es öffnet müde seine Augen

und denkt: "Ich muss vernünftig sein,

was soll's Verweilen denn noch taugen?"

Den Lauf der Zeit sieht's endlich ein.

 

Es meint, als es am Boden liegt:

„So wie es ist, so muss es sein.“

Ein Hund, der um die Ecke biegt,

hebt zur Bestätigung sein Bein.

 

*

 

Warten auf Godot ?

 

Sie sitzt nun dort vor jenem Glas

und dreht es in der Hand

Es quält die Frage: Kommt noch was,

rinnt nur hindurch der Sand?

 

Und forscht nun, wo der Pegel steht

Vielleicht ist's Glas halbvoll

Ahnt doch, dass es zur Neige geht,

denkt, ob sie warten soll

 

Wie schon so oft träumt sie davon:

Godot trifft endlich ein

Doch will sie weder Estragon

noch Wladimir gern sein.

 

Sie lässt dem Schicksal seinen Lauf

sei's Glas halbvoll, halbleer.

Es füllt ihr niemand nochmal auf

Heut' kommt Godot nicht mehr.

 

 *

 

Gunter, komm herunter

 

Als kleines Kind saß Gunter schon

stets gar zu gerne auf dem Thron

bis seine Mutter sagte:“:Gunter,

es wird jetzt Zeit, komm da herunter“

 

Und später dann im Pfarrhausgarten,

da konnte er es kaum erwarten,

bezwang des Apfelbaumes Äste

der Platz ganz oben war der beste.

 

Bis dann der Pfarrer ihn ermahnte,

der seinen Absturz wohl erahnte

Oh bitte, bitte lieber Gunter

komm doch mit Vorsicht nun herunter.

 

Und in der Schule war er Streber

Er hat geprotzt frei von der Leber

und Lehrer Huber sprach: "Ach Gunter

da kommst du auch mal wieder runter."

 

Sogar die Ehe ging entzwei,

so nervte seine Prahlerei

Bis seine Gattin meinte: Gunter

es wäre schön, kämst du herunter.

 

Sein halbes Leben ohne Witze

erzählt er jedem er sei Spitze

Fast jeder meint, der spinnt der Gunter,

er kommt wohl nie von oben runter."

 

Ach gestern hab ich ihn getroffen,

im Park allein, total besoffen

So abgerissen und benommen,

war ganz herunter er gekommen.

 

Oh, warum ließ er sich den Glauben

an seine wahre Größe rauben?

Hat er zu wörtlich denn genommen,

den Wunsch mit dem Herunterkommen?

 

Er suchte stets nach einer Stütze

die ihm nur fehlte für die Spitze

Man hat die Hoffnung ihm genommen

Ganz unten ist er angekommen.

 

*

 

Vor den rosaroten Scheiben

 

Hinter rosaroten Scheiben

geht dir doch kein Glück verloren

Es wird gerne bei Dir bleiben

denn da ist es ja geboren

 

Hinter rosaroten Scheiben

da verbirgt sich wahres Leben

wird dich immer weiter treiben

dir ein waches Auge geben.

 

Hinter rosaroten Scheiben

können dir die Brillenbügel

hinter deine Ohren schreiben

wann es Zeit ist für die Zügel

 

Doch vor den rosaroten Scheiben

ist das Gefühl nicht aufzuwiegen

wenn wir es auf die Spitze treiben

um mit den Träumen fortzufliegen.

 

 *

 

Ruckedigu

 

Lass die Schuhe von den Füßen

Zieh sie dir nicht wahllos an,

weil sie ja nicht passen müssen.

Schau dir and're Füße an.

 

Zeigt dir jemand einen Schuh,

sag ihm doch, es sei nicht deiner.

Ja dann gibt er endlich Ruh,

nimmt ihn selbst, es will ihn keiner.

 

Passt er denen die sich spreizen,

jenen die gesenkt und platt?

Viele gibt es, die nicht geizen.

Mancher dicke Füße hat.

 

Es kann auch sein, dass man dich hasst

bietet ständig neue an

Zieh dann nur an, was dir auch passt

Niemand da, der dir was kann.

 

Drückt der Schuh, fehlt mir der Sinn

Fröhlich laufe ich durch's Leben

Da ich auch kein Leichtfuß bin.

wird man keinen Schuh mir geben.

 

Hör den Ruf der weisen Tauben,

der erschallt noch immerzu.

Ich will jenem Märchen glauben:

"Ruckedigu, nicht dein Schuh"

 

*

Für immer jung

 

In ihrer Jugend war sie schon ein Sahneschnittchen.

Oft gab es Streit, fast jeder wollte Sie vernaschen.

Entfuhr doch vielen, die sie sah'n ein "Donnerlittchen"

Ihr Anblick musste immer wieder überraschen.

 

Nach all den Jahren ist die Halbwertzeit verstrichen.

Und ihre Schönheit lässt sich heute kaum mehr lesen.

Die Hülle ist nun arg zerknittert und verblichen.

Sie glatt zu streichen ist bald ohne Sinn gewesen. 

 

Man möchte sie jedoch noch immer gern genießen

Nein, säuerlich ist sie bisher auf keinen Fall.

Ist sie bei uns, wird sie das Leben uns versüßen.

Aus ihrer Hand gibt sie noch lange nicht den Ball.

 

Die wahre Schönheit zeigt sich nun durch ihre Tugend.

Erzeugt ihr Wesen doch noch oft ein "Donnerlittchen"

Humor versiegelte für immer ihre Jugend.

Und auch im Alter ist sie noch ein Sahneschnittchen.

 

*

 

Quelle meines Seins

Muttertag

 

Herkunft und Zuflucht, Quelle meines Lebens

Hast mich gefüttert mit Spinat Brei und Wissen

Ich hoffe noch immer, es war nicht vergebens

dass Du mich gebettet in samtweiche Kissen

 

und mich gepudert, gewickelt, gewaschen

So oft gab mir Dein Rockzipfel Halt

Warst durch keine Attacke zu überraschen

selbst Spinat im Gesicht ließ Dich stets kalt

 

Hast jeden Unfug verziehen mit lächelndem Wissen

Manche Träne habe ich in Deine Schürze geweint

Zum Dank habe ich in die Windeln geschissen

Doch ich habe es damals nicht böse gemeint

 

Drohte in den Wogen des Lebens mir das Ertrinken

Trost und Hoffnung gab mir stets Deine Hand

Wartend am Ufer sah ich Dich winken

Ich fand durch Dich immer wieder ans Land

 

Du hast mir den Weg ins Leben gezeigt

Mir von Deiner Geduld und Güte gegeben

Geimpft mit dem Serum Deiner unendlichen Liebe

bin ich gefeit gegen die Unbilden im Leben

 

DANKE MAMA

 

*

 

Tagedieb

 

Tage möcht' ich gerne stehlen

sie zu meinen Tagen zählen

so viel wie es nur möglich ist,

dass länger meine Lebensfrist.

 

Ich muss nur einen Lehrer finden,

der mir hilft es zu ergründen,

was mir wäre doch so lieb:

Wie werde ich ein Tagedieb?

 

Oder gibt es vielleicht Leute

die mir bieten leichte Beute

und mir ihre Zeit gar schenken?

Daran ist wohl nicht zu denken.

 

Ja wie fange ich 's dann an?

Ich werde mich nicht länger quälen,

passe auf, dass keiner kann,

mir meine Zeit so einfach stehlen.

 

Und ich mach' mir keine Sorgen,

kommst Du heut' nicht, kommst Du morgen

Werde einfach mich des Lebens freu'n

und ein Lebenskünstler sein.