Sein Mädchen

 

Die Sehnsucht treibt ihn, fast wie Schmerz.

So gern verschenkte er sein Herz.

Er träumt davon nicht nur im Bett:

Ach wenn er nur ein Mädchen hätt'!

 

Ein Mädchen nur für ihn allein,

wie tät er mit ihm glücklich sein.

Wie seine Mutter ihm einst riet,

schrieb er sogar ein Liebeslied.

 

Fast überall hat er gesucht,

so oft sein Schicksal schon verflucht,

weil es ganz einfach nicht geschah.

Gar nirgends er sein Mädchen sah!

 

Jetzt sitzt er unterm Apfelbaum,

denkt immer noch an seinen Traum,

beißt herzhaft in die süße Frucht.

So lange hat er nun gesucht.

 

Da plötzlich er 'ne Stimme hört:

"Nur nicht so heftig, he - wer stört?"

Der Apfel ist mit Wurm bestückt.

Er schaut ihn an und ruft verzückt:

 

"Sag bist du wohl der Made Kind?

Ach, dass wir nun zusammen sind.

Ich glaub es kaum, ja oder nein?

Sag, willst du jetzt mein Mädchen sein?"

 

 

***

 

 

Na wie geht’s denn ?

 

Ich traf heut den Nachbarn Klaus

und ich fragte ihn wie's geht,

hier grad unten vor dem Haus.

Er sagt zu mir, es war schon spät:

 

Meine Waschmaschine geht

und der Toaster sicher auch

Und der Hefeteig, er geht,-

nicht der Speckring um den Bauch

 

In meinem Job, in dem Büro

geht 's mal runter und mal rauf

Mein Gehalt geht sowieso

fast ganz für die Geliebte drauf

 

Mit der Bank geht bald nichts mehr

Ganz ohne Geld mach ich nichts her

Doch noch ist es nicht zu spät

weil es trotzdem weiter geht.

 

Also spricht er, bitte sehr:

Ja was will ich denn noch mehr

Wie ist mir dabei egal,

allein was zählt ist allemal:

 

Mein Leben wird nun wieder schön,

weil Gattin und Geliebte geh'n.

 

 

 ***

 

 

Der Kollege

 

Sehr schlecht sieht der Kollege aus

und niemand macht sich was daraus

Man lädt bei ihm so Vieles ab,

wofür ich kein Verständnis hab.

 

Und wieder einmal fällt mir auf

fast jeder häuft ihm noch was drauf,

was allen andern fällt zur Last

Fragt nicht danach, ob es ihm passt.

 

Man sagt so oft am Telefon

man hätte dem Kollegen schon

gleich jenen Antrag überreicht

und immer öfter mich beschleicht

 

nun dieser dringliche Verdacht:

Man hat es sich sehr leicht gemacht

Was mich bei diesem Vorgeh'n stört

ist, dass man weiter nichts mehr hört.

 

Mir hat der Groschensturz gebimmelt,

dass jener Antrag jetzt verschimmelt,

denn der Kollege, oh wie fein

wird sicher Herr Papierkorb sein,

 

der andernorts wird auch beschrieben

als Aktenordner Nummer sieben,

in den geschreddert und zerknüllt

man deinen Antragsmüll schnell füllt.

 

 

*

 

Blicke, überall

 

Oh je, ich leide heuer

wohl unter Paranoia.

Ich möchte mich verstecken.

Man könnte mich entdecken.

 

Oh je, die vielen Augen,

sie saugen, saugen, saugen

so mit den bösen Blicken,

dort hinter meinem Rücken.

 

Und beim Kartoffelschälen

muss ich die ohne wählen.

Ich möchte mich verstecken.

Man könnte mich entdecken.

 

Sogar beim Füßewaschen

tun sie mich überraschen

Ich stecke sie in Socken,

da bleibt das Auge trocken.

 

Oh je die vielen Augen

sie saugen, saugen, saugen.

Auch in der Hühnersuppe

sind sie mir gar nicht schnuppe.

 

Die glotzen extra fett,

das finde ich nicht nett.

Ich werde mich verstecken,

dass sie mich nicht entdecken.

 

*

 

 

Ein Marabu läuft Marathon

 

Ein Marabu sprach öftér schon

Ich laufe mal 'nen Marathon

Doch ward nur draus ein Maratönchen

nach dem Genuss von zu viel Böhnchen

 

Da sprach der Pelikan: "He du,

hier riecht es so nach Mara..Buh!"

Der war echt sauer und sagt dann:

"Ein jeder fängt mal ganz klein an."

 

 

***

 

 

 

Mein Hausfreund

 

Nun, dass ich einen Hausfreund habe,

darf jeder gerne wissen,

 denn seine ganz besond're Gabe,

 die möchte ich nicht missen.

 

Fast täglich kommt er in der Frühe.

 Mein Mann hat nichts dagegen,

trinkt friedlich seine Kaffeebrühe

und meint, er sei ein Segen.

 

Vermittelt er mir neues Wissen,

sitz ich auf meiner Bank.

 Ich möchte ihn nie wieder missen,

versteck' ihn nicht im Schrank.

 

Doch manchmal hab ich keine Zeit,

 dann muss er mich begleiten.

 Meint man nun: Das geht zu weit !?

Das mag ich gar nicht leiden.

 

Er gibt mir täglich Rätsel auf,

erzählt so dies und das.

Hat viele ernste Themen drauf

und macht auch manchmal Spaß.

 

Kommt morgens meine Zeitungsfrau,

und wirft ihn pünktlich ein,

ja dann weiß ich ganz genau:

Das muss mein Volksfreund sein.

 

 

© Greta Hennen

 

Unsere Tageszeitung ist der

Trierische Volkfreund

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Pixabay

 

 

Die Konifere

 

Oh, ich bin eine Konifere

Ich hab mich extra spekuliert

dass fremde Worte ich verstehe

hab an der Uni provoziert

Bin fünf Silvester hingegangen

hab sumsum lauter abgeschlossen

Dann hat die Prüfung angefangen

Ich hab den Vogel abgeschossen

 

Der Brotefresser fragt trotz Abbi

ob ich ihm nun ein Bleistift sag

Ja, spielen wir hier Teletabbi?

Was ist das für eine Frag?

Ich decke Tabula fast rasa

und mache Rudi ment was her,

knall ihm mein Wissen vor die Nasa,

stell mich grad hin, sag: Bütte sehr:

 

Die Radiatoren sind die Kämpfer,

die dort in der Arena stehen.

Da gibt der Herr mir einen Dämpfer

Oh je das ham 'se falsch gesehen

Ach ja, dann sind's die Gladiolen

und du kannst mich gar nicht reizen

Die Gladiatoren muss man holen

dann kann man auch im Winter heizen.

 

Ganz kurz darauf hieß man mich gehen

Dem Brotefresser ging's nicht gut

Er meint, er kann mich nicht mehr sehen

Ging ihm auf's Augenlicht die Wut ?

Das alles kann er nicht mehr hören.

Bekam's Gehör noch einen Sturz ?

Ich solle ihn nicht länger stören

Mir schwant die Prüfung war sehr kurz.

 

Na ja mir ist es mehr als Recht,

denn mein Debakel war nicht schlecht.

Dem Brotefresser klingt's im Ohr,

summa cum lauter kommt's ihm vor.

Nun warte ich doch schon so lange

hier auf mein Dippelinch Diplom

und ein klein wenig wird mir bange:

Ob ich's vielleicht nicht mehr bekomm' ?

 

                         *

Die Prüfung ist nun Ex und Amen!

 


 

Oh, dieser Sommer ist so heiß

 

Oh, dieser Sommer ist so heiß

und niemand weiß warum

Verrät es uns um keinen Preis

verhält sich weiter stumm

 

Die Sonne ist wohl Schuld daran

Sie gibt es nur nicht zu

und macht ihn immer weiter an

Wann gibt sie endlich Ruh?

 

Sie hat ihm so sehr eingeheizt

verweigert jeden Kuss

Wenn sie ihn immer weiter reizt

hilft nur ein kalter Guss.

 

Oh, dieser Sommer ist so heiß

und niemand weiß, auf wen

Verrät es uns um keinen Preis

und lässt sich weiter geh'n.

 

Der Himmel ist wohl Schuld daran

ihm wird so himmelblau

Das törnt des Sommers Stimmung an

bald bis zum Hitzestau.

 

Doch Übermut tut selten gut

Gewitter naht verwegen

Dem Sommer kühlt nun doch die Glut

zum guten Schluss der Regen.

 

 

 

 


 

 

Sau-ber

 

Es führt im Stall die Sau Klothilde

auch heute wieder was im Schilde

Sie meint als Schwein fällt ihr nicht ein,

in Wahrheit auch ein Schwein zu sein.

 

Und die Kuh Elsa auf der Weide

meint ganz empört: „Sie liebt Geschmeide“

„Sie übertreibt und putzt sich raus

mit diesem Schmuck.“ klagt Eber Klaus.

 

„Das ist zum Wiehern, sagt das Ross

was bezweckt Klothildchen bloß?“

Sie suhlt sich nicht, wie's sich gehört

und jeder schimpft: „Die ist gestört“.

 

Nun das versteht Klothilde nicht

Oh nein, sie übt auch nicht Verzicht

Den Reichtum lässt sie nicht vergammeln

Sie wird ihn munter weiter sammeln

 

Er findet sich auf vielen Plätzen,

doch nur sie weiß ihn zu schätzen.

Wirft doch so mancher ohne Reue

so viele Perlen vor die Säue.

 


 

Schuld hat nur Herr Holle

 

Es schneit seit Tagen im April

Man dachte schon es sei vorüber

Die Vögel sind nun wieder still,

doch ihr Gesang war uns viel lieber.

 

Die Blüten zittern und sie kräuseln

die zarten Blättchen wieder ein.

Wo bleibt das schon gehörte Säuseln?

So kalt darf's nicht im Frühling sein.

 

Die Schuld daran trägt der Herr Holle.

Zu lang dehnt er sein Schläfchen aus.

Das wird jetzt seiner Frau zu dolle

zieht unter ihm das Bettzeug raus.

 

Sehr lange muss sie an ihm rütteln

bis der Gemahl das Feld nun räumt

Sie kann erst jetzt das Bettzeug schütteln.

Hat er jetzt endlich ausgeträumt?

 

Frau Holle sperr den Ollen aus

leg ihm 'ne Zwecke in sein Bett

dann kommt vielleicht die Sonne raus

und's Frühlingswetter wird recht nett.

 


 

„Du musst mir eine Locke schenken!

 

„Du musst mir eine Locke schenken!

bat sie ihn, als sie sich trafen.

Dann kann ich immer an dich denken .

Ich will mit deiner Locke schlafen.“

 

Er war nicht schön und ohne Flocken

Doch waren sie es, die gefielen,

nur seine blondgelockten Locken.

Sie würde gerne damit spielen.

 

„Du musst mir eine Locke schenken,

Ich kann doch ohne nicht mehr leben!“

Sie konnte nichts mehr andres denken.

Und er? Er fand das voll daneben.

 

Nach einer Nacht mit ihm soeben

liegt sie verlassen nun im Bett

und sieht die Locken noch daneben.

Ja wie,- Perücke ? Oh wie nett !

 

 


 

 

Das Irmchen

 

Die Menschen mögen Irmchen sehr,

denn sie ist eine Nette.

Wenn da nur nicht ihr Laster wär.

Sie liebt die Zigarette,

 

die macht sie an der ersten an.

So nimmt der Qualm kein Ende,

weshalb sie fast nichts machen kann.

Sie hat ja nie zwei Hände.

 

Daran hat ihre Reinlichkeit

auch immer mehr gelitten.

Sie wird deshalb in letzter Zeit

von vielen oft geschnitten.

 

Jetzt weiß sie's und sie denkt nun still:

Ich bin ein schlaues Irmchen,

wenn ich beim Duschen rauchen will,

dann mach' ich das mit Schirmchen.

 

 

 


 

Das Lieblingsspielzeug


Der Willi ruft durch's ganze Haus:
„Mein Spielzeug ist hinüber.“
„Oh Oma, schluchzt er, es ist aus,
kein andres war mir lieber.“

Bis eben hat es funktioniert,
doch dann hat es geeiert
Schon mehrmals hat es sich geziert
Es ist wohl ausgeleiert.

Auch gestern lief es noch ganz flott
als ich auf ihm gesessen
Hat sich vielleicht nach leichtem Trott
ein Kolben festgefressen?

Hilft jetzt vielleicht ein bisschen Fett?
Ich wollte es nicht quälen
Die Gangart war doch immer nett
Ich konnte darauf zählen.

„Komm Omi, schau dir das mal an.
Was mache ich denn jetzt?
Hast du wohl einen guten Plan?“
fragt Willi ganz entsetzt.

Und Omis Blick fällt auf den Rasen
Was sie da sieht, ist platt.
Ganz leise hört man leichtes Blasen.
Was das Gerät wohl hat?

Das Lieblingsspielzeug machte bumm
hat einmal pfft gemacht
und plötzlich fiel es einfach um.
Warum jetzt Oma lacht?

Weil sie ein leises Flüstern hört,
das ihr ins Ohr nun haucht,
dass niemand das Gerät jetzt stört,
weil Opa Pause braucht.

*

 

 

Der Winter ist bi

 

"Sag, meinst Du nicht, der ist doch bi,

hier dieser Winter, sagt Marie.

ihm ist's egal ob Hoch, ob Tief.

Ja oder liege ich da schief ?

 

Nennt man es Lisa, heißt es Knut,

sind beide ihm genauso gut.

Ob Regen, Schnee, ob nur noch Matsch,

ob Sturm und Wind, es ist kein Quatsch.

 

Geht er nicht endlich in die Knie?"

"Du hast ja Recht, er ist wohl bi,

und noch dazu, sagt Dieter da,

ist er auch überwiegend bah.."

 

*

 

Am Popocatépetl

 

Am Popocatépetl

fragt Peter frech die Gretel:

"Sag wirst Du wohl mein Mädel,

wenn ich mit Scheinchen wedel?"

Da zieht ihm gleich die Gretel

ihr Schirmchen über'n Schädel.

  

 


Mit einem Klick auf's Foto kann man es anhören:

 

Der Traummann

 Ach hätte Lotte doch nur einmal Glück noch in der Liebe.

Den Mann wünscht sie sich sehr, der dann auch bei Ihr bliebe.

Sie kannte schon den Emil, Ernst, den Otto und den Reiner.

Doch wenn sie mal ganz ehrlich ist, wirklich lieb war ihr noch keiner.

 

Sie mochte auch den Gerhard, Heinrich und auch sehr den Werner.

Als sie sie näher kennen lernte, rückten sie von ihr nur ferner.

Doch kürzlich schwärmte ihre Freundin so von einem Mann,

und auch die Frauen, die sie kenne, seien von ihm angetan.

 

Dass er so sehr erfrischend sei. Er heitere sie auf

und außerdem sei er so fein, dabei auch stets cool drauf.

Sein Name sagt es ja schon aus, dass der, der Hugo heißt

"der Denkende, der Kluge"sei, und sprühe sehr von Geist.

 

Nun suchte sie im ganzen Land nach diesem tollen Mann

Da sagte ihre Freundin, dass sie lange suchen kann.

Sie reichte ihr dann ein Getränk, das prickelte im Glas

und meint, dass das der Hugo sei, und hatte großen Spaß.

 

 

 

 

 

Gedichtverzicht

 

Heute Nacht rief ein Gedicht:

„Hör mal zu, und machte Licht

das hast du noch nicht gehört!“

Ach ich fühlte mich gestört

 

Nein, das int'ressiert mich nicht

Sei bitte still und lösch das Licht.

Komm ich sage es dir vor,

so dröhnte es an meinem Ohr.

 

Das hat gewiss bis morgen Zeit

Ich bin nun müde, tut mir leid

Beleidigt zog es eine Schnut

Ist ja gut, ist ja schon gut

 

Dann geh ich halt zur Konkurenz,

die freut sich über meinen Lenz

Aber ärgere dich nicht

über den Gedichtverzicht.

 

Nun bin ich still und lösch das Licht.

Dann eben nicht!

 

***

 

Wenn es anfängt aufzuhören

 

Ach, wenn wir in die Jahre kommen

und es zwickt uns hier und da

wird uns so vieles weg genommen

Gar nichts bleibt so wie es war

 

Wenn es dann anfängt aufzuhören

Man nur schlecht gut hören kann

dann wird es auch so manchen stören

dass er gut schlecht sieht, oh Mann

 

Ach nein ich will mir nichts draus machen

wenn ich nicht mehr alles kann

und leise mir ins Fäustchen lachen

 stoß' mit einem Weinchen an.

 

Wenn eines morgens ich erwache

und es tut mir gar nichts weh,

dann ist das keine gute Sache,

denn dann bin ich tot, oh je.

 

 

 ***

 

 

Eure Dicke, uns're Dünne

 

Es fällt mir das Verstehen schwer,

dass sie sich täglich selbst kasteien

und ich bedauere die sehr

die keine Sünde sich verzeihen.

 

Und es schockiert an der Figur,

vom Zähler ratternd kontrolliert,

dass selbst das kleinste Röllchen pur

sich nur ganz zögerlich verliert.

 

Ich glaube, dass der mehr beliebt,

der doch obwohl er mehr beleibt,

sich ganz damit zufrieden gibt

und immer ausgeglichen bleibt.

 

Denn hier ist weniger nicht mehr.

Die Lebenskunst ist gut geglückt

Und etwas mehr macht viel mehr her,

weil's von Zufriedenheit bestückt.

 

Das war's wovon schon Maler schwärmten.

Sie zeigten uns worum es geht.

Nie malte Rubens die Verhärmten.

Da war auch Orpheus der Poet,

 

der UNS'RE DÜNNE auch nicht wählte.

Er sucht im Hades doch sein Glück,

weil jene Sehnsucht ihn so quälte

will EURE DICKE er zurück.

 

***

 

 

Ein Brief von Sieglinde

 

Mein lieber Freund,

wie soll ich Dir denn überhaupt noch vertrauen?

Du hast mich zu oft in die Pfanne gehauen

Ich gebe es zu, auch ich war oft roh

Du warst darüber wohl auch nicht sehr froh

 

Die Trennung, finde ich, ist trotzdem verfrüht

Bin ich auch für Dich oft zu abgebrüht.

Du drohtest, Du gibst mich den Schweinen zum Fraß

Ja meinst Du denn ernsthaft, das macht mir Spaß?

 

Nie hast Du mir in die Augen geschaut.

Sie gefielen Dir nicht, wie auch meine Haut.

Du hast sie gemieden, so oft es nur ging

Ach, dabei war ich so ein niedliches Ding.

 

Und bist Du mir doch auf die Pelle gerückt,

und hast mich dabei auch noch kräftig gedrückt,

dann wurde mein Herz so weich wie Püree

Gibst Du mich nun auf, tut mir das sehr weh.

 

Ich habe schon immer darunter gelitten

wenn ich auf Dich traf, hast Du mich geschnitten

Nie mochtest Du mich ganz so wie ich war

Du wolltest mich formen, das war mir bald klar,

 

und glaubtest so oft, Du bekämst mich gebacken.

So gib es doch zu, das bricht Dir keinen Zacken:

Im Grunde liebst Du mich immer noch heiß.

Bei Dir bliebe ich gerne um jeden Preis.

 

Ich mag Dich so sehr! Warum lässt du mich fallen?

Das fragt Dich die heißeste Kartoffel von allen.

 

Deine Sieglinde

 

***

 

 

Wenn Zebras streifen...

 

 Ein Zebra stand am Zebrastreifen

wollt grad hinübergeh'n

und konnte es fast nicht begreifen

als er sie da geseh'n

 

Sie stand grad auf der andren Seite

Die Ampel leuchtet grün.

Sein Lächeln formt sich in die Breite

Er will hinübergeh'n

 

Da geht sie schon mit leichtem Schritte

Er bleibt ganz plötzlich stehn

auf ihrem Streifen in der Mitte

Sie kann nicht weitergeh'n

 

Der Zebramann der längsgestreift

hat es sofort gesehn,

dass dieses Weibchen quergestreift

und ließ es nicht mehr geh'n.

 

Sie liebten sich und wunderbar,

kams Kindchen wie bestellt,

das war gewiss nicht sonderbar,

schwarz - weiß - kariert zur Welt.

 

 

***

 

 

Beleidigte Leberwurst

 

Wer hat die Leberwurst beleidigt?

 und ihr dazu die Tour versaut?

Ist niemand da, der sie verteidigt?

So schnell fährt sie nicht aus der Haut

 

Rückt man ihr wieder auf die Pelle?

Sie ist doch von der guten Sorte.

Oh suche schnell nach jener Quelle

und schenke ihr nun liebe Worte.

 

Nimm dir den vor, der es verpatzt

und hoffe, es ist nicht zu spät,

nun zu verhindern, dass sie platzt

und nicht zur groben noch gerät.

 

Seit gestern zieht sie eine Schnut

Ich hoffe sie verdirbt jetzt nicht

und alles wird bald wieder gut

Nicht, dass sie nachher mit uns spricht

 

Nein nein, ich finde nicht erbaulich,

dass sie so sehr beleidigt ist

Sie ist so gar nicht gut verdaulich

So eine Leberwurst ist Mist.

 

***

 

Für die Füße

 

Heute sende ich mal süße

Grüße an die armen Füße

Sie tragen mich wohin ich düse

wenn ich auch manchmal mir verbrüh' se

 

wenn in der Wanne bis zur Wade

ich mehrmals wöchentlich sie bade

Dass ich sie sonst oft nicht gerade

sehr nett behandle. Das ist schade.

 

Für die Füsse ist sehr häufig

was uns schlecht erscheint geläufig

Ich werde jetzt mal an sie denken

und ihnen Ruhezeiten schenken

 

Nun lege ich sie einfach hoch

Wie man oft sieht, geht es ja doch

Ich frag nicht nach, wie lange noch,

versinke im Gezeitenloch

 

Da höre ich sie schließlich klagen

Wir liegen hier bereits seit Tagen

und müssen dich nun einmal fragen

Ja sollen wir dich nie mehr tragen?

 

Mir sind soeben diese braven

doch allen Ernstes eingeschlafen.

Die Füße sich aus Frust wohl trafen

mir's gleich zu tun im Ruhehafen

 

Der linke meint: Das ist der Clou

Von rechts noch leis: Ich mach 's wie du

Ich lege mich nun auch zur Ruh

und mach die Hühneraugen zu.

 

Es nützt kein Rufen. Diese tauben

sich nur ein Kribbeln noch erlauben

Sie lassen sich den Schlaf nicht rauben

Ich kann das alles noch nicht glauben

 

*

 

 Mienenspiel

 

Auch heute bin ich noch ein Kind

Ich spiele gerne Spiele

Wenn sie auch schlecht zu finden sind

Ein andres Mal sind's viele.

 

Ich brauche ja zu meinem Spiel

meistens nicht so viel

Ein Blatt Papier und Fantasie

dann bin ich fast am Ziel

 

Dazu ein Schreibgerät mit Mine

erheitert mir die Miene

Doch trete ich in sie hinein,

ist es die and're Mine.

 

Die eine macht im Park der Hund

und eine andere macht bum

Sie sind bestimmt kein schöner Fund

Nein, diese Minen nimmt man krumm.

 

Ach da fallen mir noch ein

die Gold und Silberminen

im Berg versteckt, ja die sind fein

erhellen auch die Mienen.

 

Ich sammle schnell die Worte ein.

Wenn sie so vor mir liegen,

dann kann es fast nicht besser sein.

Ich muss sie gleich verbiegen.

 

Und findet sich kein Wort, das passt

dann wird es ausgeliehen,

verdrehe es, dann stimmt es fast,

ist wie gewünscht gediehen.

 

Doch manches Mal hab ich wie hier

nur Blödsinn hingeschrieben

Ich kann doch wirklich nichts dafür

Wird man mich trotzdem lieben?

 

Denn die mich kennen sagen fix:

„Es geht ihr so wie vielen.

In Wirklichkeit tut sie Euch nix.

Nein, nein, sie will nur spielen!“

 

***

 

Der Mai ist gekommen

 

April hat sich nun dünn gemacht.

Er schickt in der Walpurgisnacht

vom Blocksberg her und fast wie neu

uns hokuspokus den Herrn Mai.

 

Jedoch nicht den von Winnetou .

Ach nein, das wäre ja gelacht.

Der schaut ihm wohl von oben zu,

ob er auch alles richtig macht.

 

Das finden wir ganz fabelhaft

und denken doch, dass er es schafft.

Die Hexe kocht ihm einen Sud

mit Kräütern auf der Ofenglut

 

und zaubert dazu eins - zwei - drei

den Sonnenschein ganz schnell herbei

und auch den Amor mit dem Pfeil.

Oh ja, das finden wir echt geil.

 

Der Amor unbekümmert dann

die Liebespärchen jagen kann.

Nun ist das Wetter nicht mehr trist,

weil ja der Mai gekommen ist.

 

*

Er weiß nicht, was er will

 

Dass der April ein Weichei ist,

sich nicht entscheiden kann,

das sieht man, denn mit Hinterlist

schleicht sich der Winter an.

 

Das leichte Kleid zurückgedrängt

im Schrank, man kriegt die Motten.

Und wieder wird man eingezwängt

in dicke Wollklamotten.

 

Die Gartenmöbel schneebedeckt,

die zarten Blümchen frieren.

Was der April damit bezweckt?

Es geht uns an die Nieren.

 

Die Autos tragen Sommerreifen.

Da bist du von den Socken.

Und jedermann wird es begreifen,

dass sie im Eise bocken.

 

Wer liest nun endlich dem April

mal richtig die Leviten?

Er kann nicht machen was er will.

Was sind denn das für Sitten?

 

***

 

Begegnung bei Mondlicht

 

Du kannst mir mal, das fänd' ich schön,

bei Mondlicht gern begegnen.

Dann könnten wir spazieren geh'n.

Es dürfte ruhig regnen.

 

Du kannst mich gerne dann und wann

ganz feste an dich drücken,

und mir dabei mein lieber Mann

tief in die Augen blicken.

 

Du kannst mich auch beim nächsten Mal,

 bei Mondlicht mal besuchen.

Ich backe dir für diesen Fall

auch einen süßen Kuchen.

 

Und kannst Du nicht, fällt mir jetzt ein,

so tausche ich auch gerne.

Besuch ich dich bei Mondenschein,

betrachten wir die Sterne.

 

Ich werde dir auf jeden Fall

bei Mondlicht nahe sein.

Romantisch ist das allemal.

Fällt Dir was Schön'res ein?

 

 

 

 

Jetzt kommt der Frühling in den Schrank

 

Jetzt kommt der Frühling in den Schrank

Das Warten machte sie schon krank

Es war fast wie ein Fieber

 

Und endlich ist es jetzt soweit

Es ist nun wieder Frühlings-Zeit,

die mag sie so viel lieber.

 

Der Winter ist nun abgeschrieben

Nicht richtig konnte sie ihn lieben.

Der Frühling macht sie munter.

 

Fast alles hätte sie getrieben,

wär er für immer hier geblieben.

Er macht ihr Leben bunter.

 

Da, eines Tages fand ihr Mann

die Lösung doch noch irgendwann

für Frühlingslust und Winter.

 

Ernst Frühling wohnt gleich nebenan

Auch Dieter Winter ist ein Mann.

Er lebt im Haus dahinter.

 

 *

 

 

 

Die Loreleih

 

Sie ist nun eingezogen

Die Enkel sind erfreut

und ihr auch wohl gewogen

weil sie sie gut betreut

 

 Oh, sie erzählt Geschichten

von Elfen, Feen und mehr,

und kann so schön berichten.

Das lieben Kinder sehr.

 

Sie singt auch schöne Lieder,

so leise, lieb und weich.

Da meint der kleine Frieder,

er wär im Himmelreich.

 

Verträumt schaut er sie an

und lächelt lieb dabei.

Dann sagt er irgendwann:

„Du bist die Loreleih.

 

Der Grund dafür ist der,

dass du ja Lore heißt,

und dann ist es nicht schwer,

als Leihoma, du weißt?“

 

*

 

Das Lieblingsfutter

 

Der Vogelfreund macht große Augen:

Wo ist das Vogelfutter hin?

Was seine Meisenknödel taugen,

und machen sie noch einen Sinn?

 

Er glaubt inzwischen, sonderbar

die Futterauswahl ist verkehrt,

und fährt sich durch das schütt're Haar.

Was die Erfahrung ihn nun lehrt?

 

Ob seine Futterstellen taugen?

Er hat sie doch stets gut bestückt,

traut nicht mehr seinen eig'nen Augen,

und hält sich selbst fast für verrückt.

 

Er glaubt der Wirklichkeit nicht mehr,

kaum dreht er mal den Rücken zu,

sind schon die Vogelhäuschen leer.

Daraus zieht er den Schluss im Nu

 

Er fühlt sich wie ein armer Tropf

Nein, das ist nicht das Wahre

Die Vögel fressen ihm vom Kopf

wohl bald schon alle Haare.

 

*

 

 

Der alte Schatz

 

Der Gustav hat im Trödelladen

 solang er denken kann.

So manches Stück mit einem Schaden,

den er beheben kann

 

Jedoch da gibt es einen Schatz,

den lässt er wie er ist.

Der bleibt an seinem besten Platz,

dass er ihn nicht vermisst.

 

Die Patina, sie stört ihn nicht.

Sie gibt ihm seinen Wert

Auf Hochglanz ist er nicht erpicht,

weil er ihn so verehrt.

 

So lange ist er nun schon sein.

Er gibt ihn niemals her,

denn auch mit seinem matten Schein

betört sein Glanz noch sehr.

 

Und heute kann er sich noch loben,

es war von ihm sehr helle,

dass damals er den Schatz gehoben,

hier uber seine Schwelle.

 

Und er verspürt im Herzen Lust

Der alte Schatz ist ihm vertraut

Zieht jenen gern an seine Brust,

 den er einst jung getraut.

 

*

 

 

 

Senfbedarf

 

Sie hatte großen Senfbedarf

mal eher mild, mal extra scharf

Doch aß sie andres lieber

 

Und ständig war sie auf der Jagd,

Die Senfsucht hat sie arg geplagt.

Es war fast wie ein Fieber.

 

Da, eines Tages fand ihr Mann

die Lösung noch für ihren Wahn

den sie ihm vorgegaukelt.

 

Er kaufte eine Senffabrik

Nein, die Idee fand sie nicht chic

Sie fühlte sich verschaukelt.

 

Sie schrie, das sei wohl übertrieben.

Die Mengen könnte sie nicht lieben.

Fing an vor Wut zu beben

 

Da meinte er, dass es sich lohnt

Zu allem kann sie wie gewohnt

nun ihren Senf zugeben.“

 

*

 

Mein Laubfrosch

 

Es hat, weil Petrus uns seit Wochen

nur Hitze noch vom Himmel schickt,

mein Laubfrosch nun ein Bein gebrochen

Es wird nun hoffentlich geflickt.

 

Jetzt liegt er da und fragt verdrossen:

"Geht's nach der Heilung weiter?"

Zum Steigen fehlt es ihm an Sprossen

im Glas an seiner Leiter.

 

Die Hitze, seid hier einmal ehrlich,

wird doch sehr übertrieben,

ist für sein Leben auch gefährlich.

Man hat ihn krank geschrieben.

 

Er wird nun streiken, welche Plage,

bis er hat, was er noch will:

Geld für Gefahren keine Frage,

Ein Teilzeitjob ist auch sein Ziel.

 

*

 Beinbruch

 

Bei einem Sturz, das war nicht fein

brach er sich zweimal gar sein Bein

Beim Doktor hat er dann geklagt,

bis dieser dann zu ihm gesagt:

 

"Das sieht ja schlimm aus, Mann o Mann"

Da fordert er 'nen Gehgips an,

weil er doch wollte noch trotz Bruch

beweglich sein, das wäre klug(ch).

 

Doch hat der Arzt ihn ihm verwehrt,

weil der das Laufen nur erschwert.

Er könnte mit gebroch'nem Bein

doch weiterhin mobil noch sein.

 

Nein das verstand er leider nicht,

ganz grün und blau war sein Gesicht.

Wie kann denn so was möglich sein,

trotz Brüchen dort am Nasenbein?

 

*


 

 

Steckbrief

„Wanted“

 Das schöne Blau vom Himmelszelt

 

Ein Steckbrief wurde angeschlagen

dass gesucht wird schon seit Tagen

das schöne Blau vom Himmelszelt

und als Belohnung gibt’s viel Geld

 

Schaut mal hinter Wolken nach

Vielleicht hat es sich da verkrochen

Es läuft ja immer Wasser nach

Wolken sind bestimmt gebrochen.

 

Die Sonne ist auch wasserscheu

Sie kommt gewiss erst wieder vor

wenn erst die Wolken sind wie neu

Vor Freude singen wir im Chor

 

War erst der Wolkenklempner da

dann dauert's nicht mehr lange

das Himmelsblau wird wunderbar

Ich glaub' es fest, bin gar nicht bange.

 

*